Langenstein bei Ober-Werbe

as Naturschutzgebiet Langenstein bei Ober-Werbe wurde 1987 mit einer Fläche von 27 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Gebiet hat seltene und schutzwürdige Lebensräume für Pflanzen und Tiere und wurde wegen seiner überörtlichen Bedeutung für den Naturschutz vom Land Hessen für das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000 vorgeschlagen. Das Gebiet besteht aus zwei Teilbereichen: dem Klosterberg, der durch Wanderwege er schlossen ist, und dem östlich gelegenen Schmidteberg.

 

Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Zweck der Unterschutzstellung sind überregional seltene Halbtrockenrasen mit Blaugras, ausgedehnte Blaugras-Kiefernwälder, natürliche Felsvegetation und orchideenreiche Buchenwälder an den Zechsteinhängen und Felsen. Die Lebensräume für die Pflanzen und Tiere haben sich in den letzten 50 Jahren stark verändert. Die Hänge sind ehemalige, aus lichten Buchenwäldern hervorgegangene, Schafhuten und waren weitgehend gehölzfrei. An diese Nutzung waren viele Pflanzen angepaßt, die durch die aufkommenden Gehölze und die damit verbundene Wiederbewaldung zurückgedrängt wurden. Einzelne Wacholdervorkommen innerhalb der Kiefernwälder sind Zeugen dieser ehemaligen Nutzung. Die seltenen und schutzwürdigen Pflanzen benötigen diese offenen Stellen, die an einigen extremen Standorten noch vorhanden sind oder in den letzten Jahren durch Pflegemaßnahmen wieder hergestellt wurden. Die Verbuschungen und Wiederbewaldungsvorgänge in alten Kulturbiotopen sind für den Naturschutz das Hauptproblem.

Zu den charakteristischen Pf1anzengesellschaften der offenen Rasenflächen gehört der Enzian-Schiller-gras-Rasen mit den seltenen Arten Deutscher Enzian, Gefranster Enzian, Fliegenragwurz, Dreizähniges Knabenkraut, Großes Windröschen und lokal guten Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut. Die Besonderheit des Gebietes verkörpern die Blaugras Rasen an den flachgründigen Hängen und Felsen, die als Überbleibsel der Eiszeit gedeutet werden. Sie sind vor allem an den Felsen in den Bereichen Klosterberg Langenstein, Wehrstein und Schmidteberg ausgeprägt. Durch unterschiedliche Wuchsverhältnisse an besonnten und schattigen Stellen haben sich verschiedene Felsfluren mit Gabligem Habichtskraut, Mauerraute, Braunstieligem Streifenfarn, Weißer Fetthenne oder Halden mit Braun- roter Stendelwurz und Hügelmeier angesiedelt. Sie wurden erst in den letzten Jahren näher erforscht und gehören mit ihrer Artenausstattung zu den Seltenheiten in Hessen.

In dem Naturschutzgebiet sollen aber auch naturnahe Waldbereiche erhalten oder regeneriert werden. Hierzu gehört der orchideenreiche Buchenwald auf kleineren Flächen nördlich der Klosterruine und ein lichter Buchen-Mischwald mit Blaugras- und Halbtrockenrasen oberhalb des Steinbruches. In den Waidgesellschaften kommt der Fichtenspargel und von den Orchideen Weißes und Braunrote Stendelwutz vor.

 

Nutzung und Pflege

Zur Erhaltung der seltenen Pflanzengesellschaften der offenen Rasen wurden in den letzten Jahren Gehölze entnommen und die offenen Flächen mit Schafen und Ziegen beweidet. Längerfristiges Ziel dieser Pflege ist es, auch eine landwirtschaftliche Nutzung mit einer regionalen Vermarktung der Tiere zu erreichen und lokale Tierhalter hierfür zu gewinnen. Für das Pflegeziel, die Gehölze kurzzuhalten, haben sich am besten Ziegen bewährt, da sie sich zu ca. 50 % von Gehölzaufwuchs ernähren können. Schafe ernähren sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern und können daher die erforderliche Pflege nicht befriedigend leisten. Die natürlich aufkommenden Gehölze bestehen vor allem aus Esche, Buche und Kiefer sowie den Sträuchern Liguster, Schlehe, Roter Hartriegel und Brombeere.

Naturschutz und Erholung

Die Landschaft und die Pflanzengesellschaften können am besten von der Klosterruine aus beobachtet werden. Von hier aus führt ein Pfad in das Werbetal, von dem aus die verschiedenen Pflanzengesellschaften von den offenen lückigen Flächen mit Gräsern und Kräutern bis zum Buchenwald einzusehen sind. In diesem Bereich sind auch die Pflegeprobleme besonders deutlich erkennbar. Wegen des besonderen Erlebniswertes und den Beobachtungsmöglichkeiten an diesem Pfad, haben die Pflegemaßnahmen hier eine besondere Bedeutung.